VIENNA CHAPTER:
Kuenstlerhaus, Vienna
20. Mai 2005
14.15 – 18.00 (Symposium Teil 1: Das andere Selbst )
Vortrag:
Bedeutet zu reisen 'die Welt zu besitzen'? Tourismus, Medien und
(Post-) Moderne in Europa und Indien
Der organisierte Tourismus entstand Anfang des 19. Jahrhunderts
und konnte bislang als vorwiegend visuelle Praxis westlicher Subjekte
definiert werden, sowie als Konflikt zwischen dem (westlichen, weißen,
maennlichen) Eigenen und (nicht-westlichen, nicht-weißen)
Fremden. In den letzten Jahrzehnten hat sich der organisierte Tourismus
als visuelle Freizeitaktivitaet auch in nicht-westlichen Gesellschaften,
vornehmlich in Asien und Suedasien, etabliert. Was geschieht, wenn
jene Leute, die zuerst als Objekte des touristischen Herrschaftsblicks
erschienen, selbst Subjekte dieses Blicks werden? In welchem Ausmaß,
wenn ueberhaupt, bedeutet das eine Herausforderung fuer die Herrschaft
des westlichen touristischen Blicks? Basierend auf einer Analyse
des Tourismus als Spektakel in Bollywood Gesangs- und Tanznummern,
vertritt der Beitrag die Meinung, dass zumindest im Falle Indiens
nicht-westliche touristische Praktiken den Konflikt zwischen Tradition
und Moderne veranschaulichen, in dem sie auf das verweisen, was
Geeta Kapur treffend als 'unvollendete Moderne' der zeitgenoessischen
indischen Gesellschaft bezeichnet hat. Der Beitrag will zeigen,
dass dieser Konflikt sich nicht nur in der touristischen Praxis
nicht-westlicher Provenienz manifestiert. Auch der Konflikt zwischen
dem Eigenen und dem Fremden, der westlicher touristischer Praxis
inhaerent ist, sollte innerhalb des Bezugsrahmens einer spezifisch
westlichen Ausformung einer 'unvollendeter Moderne' neu gelesen
werden.
Alexandra Schneider (Berlin)
received her Ph.D. from the University of Zuerich Film Studies Department.
Since 2002 she lectures at the Free University of Berlin. She has
published in Visual Anthropology, Film History etc.
Respondent: Michael
Zinganel (Vienna) is a theoretician of architecture, artist,
curator based in Vienna.
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