MEDIENINFORMATION
Was wissen wir über Indien, was weiß
man in Indien über uns? IMPORT EXPORT ist ein interkulturelles
Projekt, das die Dynamik der gegenseitigen Wahrnehmung im Globalisierungszeitalter
beispielhaft erforschen will.
Wie kaum ein anderes Land hat Indien im deutschsprachigen
Europa so viele Phasen von zumeist modisch geprägter Beschäftigung
mit seiner Kultur erlebt: Kant, Herder und Hermann
Hesse waren historische Trendsetter. In heutiger Zeit wird
das Bild vom "größten Slum der Welt"
durch den Cyber-Space, Bollywood und Ayurveda-Begeisterung
überlagert. Aus indischer Perspektive existiert Deutschland
vor allem als Wirtschaftsmacht, dessen nationalsozialistische
Geschichte nach wie vor viele aktuelle Stereotypen prägt.
Dennoch hat sich insbesondere Berlin in den letzten Jahren neben
London zu einem "hot spot" für eine
junge Generation von Künstlern und Wissenschaftlern entwickelt,
die den Dialog zwischen den Metropolen des Nordens und des Südens
suchen.
IMPORT/EXPORT spannt die unsichtbare
Leinwand auf, die von beiden Seiten als Projektionsfläche gegenseitiger
Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung benutzt wird. Komplexe Bilder
eines multikulturellen Indien werden vorgestellt, von denen Deutschland
und Österreich als Teil des Vielvölkerstaates EU –
jenseits modischer Trends und historischer Phantasmen – heute
mehr denn je lernen können. Auf der anderen Seite gilt es,
auch die Nebenschauplätze der postkolonialen Debatten aufzusuchen
und die lebendige Geschichte der Migration und Repräsentation
in Ländern wie Deutschland und Österreich sichtbar zu
machen.
In 26 Einzelprojekten – Filmen, Fotoausstellungen,
Vorträgen, Performances – werden insbesondere jene Spuren
verfolgt, die sich normalerweise am Rande der Disziplinen oder Ressorts
verlieren - zum Beispiel:
· Wie beeinflusst das Medienbild von Indien die Entscheidungen
von deutschen Geschäftsleuten in Delhi?
· Welche Aura hat der Mercedes-Benz in Indien?
· Auf welche Pfade schickt Bollywood indische Touristen auf
ihrem Europa-Trip?
· Was machen deutsche Touristen in den "German Bakeries"
von Goa und Poona?
· Was kann man im Vergleich vom Umgang mit Haustieren über
kulturelle Unterschiede lernen?
· Warum hat der "Tiger von Eschnapur" in Indien
solches Entsetzen ausgelöst?
Die Präsentation von IMPORT EXPORT gliedert
sich in vier Kapitel bzw. „Chapters“:
Nach den ersten beiden Chapter von IMPORT
EXPORT in Bombay und Wien
wird nun das Berlin Chapter vom 11. bis 14. August
2005 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin aufgeschlagen.
Die drei Chapter bestehen jeweils aus einem
Symposium, in dem Forschungsprojekte verschiedener
Disziplinen diskutiert werden, einer Ausstellung
mit fotografischen Arbeiten und Installationen, sowie einer Filmreihe,
in der historische und aktuelle Werke exemplarisch vorgestellt werden.
Als viertes und letztes Chapter führt die
Publikation „IMPORT EXPORT. Cultural transfer. India,
Germany, Austria“ die inhaltlichen Stränge der
lokalen Veranstaltungen zusammen. Drei dokumentarische Film-Essays
werden aus dem Netzwerk der IMPORT EXPORT-Partnerorganisationen
produziert und auf DVD als Teil des Buches veröffentlicht.
Es erscheint im August 2005.
Die 29 Einzelprojekte von IMPORT EXPORT
sind drei übergeordneten Themenkomplexen zugewiesen:
Moving People: Dieser Komplex widmet sich den individuellen,
zufälligen und unkontrollierbaren Formen des Kulturtransfers,
insbesondere aus den Bereichen Migration und Reisen.
Moving Concepts: In diesem Bereich geht es um die Zirkulation
von Ideen – philosophischen Konzepten, politischen und sozialen
Utopien – die zwischen Indien und dem deutschsprachigen Europa
aufgegriffen werden.
Moving Goods: Hier geht es um die Untersuchung strategischer
Formen des Im- und Exports materieller Kultur, dem Handel mit Wirtschaftsgütern
und ihren „Images“.
Die Filmreihe wird die Veranstaltungen unter
dem Titel Moving Images begleiten.
IMPORT EXPORT in Berlin
11. bis 14. August 2005 im Haus der Kulturen der Welt
In einem Symposium werden Forschungsprojekte
verschiedener Disziplinen diskutiert. Von den anti-britischen Koalitionen
der indischen Unabhängigkeitskämpfer mit dem deutschen
faschistischen Regime bis zur virtuellen Identitätssuche indischer
Migranten der zweiten Generation wird sich das Berliner Symposium
auf die Darstellung der indischen Diaspora in Deutschland konzentrieren.
Darüber hinaus werden diese Beziehungen aus der Perspektive
der Globalisierung, ihre aktuellen Wandlungsprozesse sowohl im NRO-Sektor
als auch innerhalb der sich rapide verändernden Weltmärkte
betrachtet.
Die Fotografieausstellung „Chosen
Bits and Scattered Wholes“ zeigt die Realitäten und den
Alltag deutsch-indischer Frauen, die in Deutschland leben. Sie sind
verschiedenen Alters, haben unterschiedliche Berufe und Interessen.
Gemeinsam ist ihnen jedoch der Bezug zu Indien, den sie beständig
suchen und finden – selbstbewusst und selbstverständlich
ohne sich fremddefinieren zu lassen. Die Ausstellung wird mit einer
Tanzperformance von Mala Ullal feierlich eröffnet.
Eine Filmreihe zeigt eine Auswahl
von Klassikern, Kultfilmen und eine dokumentarische Ausgrabung.
Außerdem werden die drei Film-Essays aufgeführt, die
im Rahmen von IMPORT/EXPORT entstanden sind: „Star Biz“
von Merle Kröger und Dorothee Wenner, „From Here to Here“
von Madhusree Dutta und Philip Scheffner sowie „The Animal
Next to us“ von Michael Wörgötter. Zu jedem Film
gibt es eine Einführung, die sich mit speziellen Aspekten der
gegenseitigen Wahrnehmung befasst.
Außerdem wird die zum Zeitpunkt des Festivals
in Berlin frisch erschienene Publikation „IMPORT EXPORT.
Cultural transfer. India, Germany, Austria“ präsentiert,
die die inhaltlichen Stränge der lokalen Veranstaltungen zusammenführt.
Der Eintritt zu den Symposien, der Ausstellung, der Filmreihe und
der Buchpräsentation ist kostenlos.
Des weiteren wird eine schillernde Bollywoodparty
am Samstag, den 13. August, ab 19.00 Uhr im Pearl-Jays am Gendarmenmarkt
stattfinden. Der Club „Deewane“ präsentiert sich
an diesem Abend mit Bollywoodfilmen, Performances und mehreren DJ´s
aus der Berliner Asian-Musikszene.
Das komplette Programm und weitere interessante
Informationen zum Projekt sind unter www.im-export.net
zu erfahren.
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