CHAPTER FOUR: Atlas of Indo-German Fantasies
Buchveroeffentlichung:
11. August 2005

Beitrag:
Freud auf Garudas Schwingen: Psychoanalyse im kolonialen Indien

Dieser Beitrag begleitet die Psychoanalyse auf ihren Reisen zwischen Europa und Indien. Waehrend Freud 'nach Osten aufbrach', indem er auf seine Couch einen orientalischen Teppich legte, brach G. Bose, der Gruender der Indischen Psychoanalytischen Gesellschaft, 'nach Westen auf'; er ersetzte die psychoanalytische Couch durch einen kolonialen Liegestuhl. Die Korrespondenz zwischen Bose und Freud bringt zahlreiche bemerkenswerte Unterschiede in ihren jeweiligen philosophischen Ansichten und psychoanalytischen Methoden zu Tage. In seinen Briefen an Bose, bezichtig Freud seinen Kollegen eines Mangels an 'dynamischer', d.h. chronologischer und fortschrittsorientierter Perspektive. Bose hingegen spricht von der Bedeutung der muetterlichen Gottheiten in seiner bengalischen Hindu Kultur und lehnt sowohl Freuds Ansicht einer transkulturellen Universalitaet des Oedipus-Komplexes, als auch den Begriff des Penisneids ab. Stattdessen behauptete er, den Wunsch 'weiblich zu sein' in seinen bengalischen Patienten entdeckt zu haben. Als an einer Statuette Vishnus, einem Geschenk der Indischen Psychoanalytischen Gesellschaft, Risse entstanden, nahm es Freud als Vorzeichen, dass die Verbreitung seiner Ansichten und Methoden nicht einfach sein wuerde. Mit Blick auf die beschaedigte 'Trophaee der Eroberung', wie er die Statuette genannt hatte, schrieb er in sein Tagebuch: "Kann der Gott, an Kalkutta gewoehnt, das Klima in Wien nicht ertragen?"

Christiane Hartnack is Deputy Head of the Department of Cultural Studies at the Donau Universitaet Krems (Austria). She was also Lecturer in Psychology at the Freie Universitaet Berlin, and has taught at the Universities of Iowa and Vienna and at Wellesley College.

 

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